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1. Geschichte: Finn, die Geschichte eines Schweins, oder wie alles begann
Zu Weihnachten macht man Geschenke.
Manchmal sind sie ungewöhnlich, denn diesmal bekam jemand eine kleine Sau. Die Allerliebste versprach sie dem Fastallerliebsten!
An mehr oder winiger Hintergründiges zu denken, ist in dieser Angelegenheit unangebracht.
Eine kleine Sau aus Fleisch und Blut sollte es sein. Gemeint ist ein lebendiges Schwein.
Genauer gesagt, ein zu Weihnachten noch nicht Geborenes.
Einen Namen hatte ihm der Beschenkte schon gegeben, obwohl er nicht wissen konnte,
ob das Mutterschwein auch sicher ein Männliches werfen würde. Schwein gehabt! Im Februar kam’s,
und nun sieht es aus, wie alle Neugeborenen der Gattung Schwein: Supersüß und superrosa, mit den
hellen,
langen Wimpern um die frechen Schweinsäuglein! Wer denkt da schon an Schnitzel?
Also ein ungeborenes Säuli, namens Finn. Theoretisch gesehen, lag es also unterm Weihnachtsbaum.
Der Beschenkte, der Saukerl! Er soll sich was schämen! Tut er aber nicht. Regelmäßig geht er seinen
Schinken in spe besuchen. Dienstags, am freien Tag, kann er die Sau rauslassen. Das kleine Schwein
vertraut ihm ja blindlings. Kann sie doch nicht ahnen, dass sie zum Verzehr bestimmt ist, die arme
Sau und wäre nicht so saufroh, wenn sie Besuch bekommt. Eine durchtrainierte ergibt `nen besseren
Presskopp, das weiß der Besitzer. Natürliche Ernährung, und alles, was fürs zarte Fleisch gut ist,
lässt er ihr angedeihen. Saumäßig hinterlistig ist das!
Könnt er sich doch ohne weiteres 100 anonyme Schinken auf einmal kaufen, solche, die er nicht
aufwachsen sieht, solche, die auf vier krummen Beinchen in irgendwelchen Ställen herumtapsen und
nicht adoptiert wurden. Wär’n ja auch nicht grade schweineteuer. Aber nein, der Mann hat kein Herz!
Ich weiß überhaupt nicht, warum ich ihn noch leiden kann. Ich weiß überhaupt nicht, warum ich noch
mit ihm rede. Demnächst grunz ich ihm was!
Soll ihm eine Rüsselnase wachsen, wenn er sie gefressen hat!
2. Geschichte: Starallüren
Finn hat mitgekriegt, dass er jetzt im Internet ist. Zwar sind da schon allerhand Schweine -leider,
leider- aber ein sympathisches wie er, sicher nicht.
Saugeil findet er es, so bekannt zu sein, und Starallüren hat er auch schon, denn er ist eitel.
Woher ich das weiß? Na, gegrunzt hat er´s mir. Hat sich an den Stallstäben gewetzt, nicht etwa,
weil´s gejuckt hat. Er hat sich beschwert, dass die Einstreu zu schnell schmutzig wird und dadurch
auch er, doch keiner hört zu. Wieso auch.
Und Finn denkt: „So ein Schweineleben!“ Er träumt davon, mal unter einer Dusche stehen zu dürfen.
Einen ganz und gar unschweinisches Vorhaben. Und sein Besitzer hat behauptet, Finn könne auch schon
tanzen. Wenn er nämlich versucht, krampfhaft von einem zukünftigen Eisbein auf´s andere zu hüpfen,
weil er dem Schweinekot aus dem Weg gehen will, hat es auch wirklich fast so den Anschein.
„Ist doch eine Sau!“ würden die anderen sagen, wenn sie ihn verstehen könnten.
Zum Mäusemelken ist das, meint Finn, und die machen ihn auch immer ganz kirre, wenn sie im Stall
rumwuseln. Finn würde so gern ausziehen, doch das Schicksal eines Schweins auf dieser Erden ist nun
mal Inhalt eines Natur- oder Kunstdarm zu werden, auch wenn einem da noch so viele
Läuse über die baldige Leberwurst laufen, denkt er, und manchmal überfällt ihn die Melancholie.
Finn hat schon begriffen, was mal aus ihm werden wird. Aber sauber wär er bis dahin halt gern geblieben,
das arme Schwein.
Vielleicht in der Hoffnung, dass er dadurch verschont bliebe???
3. Geschichte: Saukrank
„Sau bleibt Sau!“ denkt Finn lustlos, als er weiterhin vergeblich versucht, sauber zu bleiben.
Aber er lebt nun mal in einem Schweinestall. Und noch jeder, der je gegen seinen wahren Charakter
ankämpfen wollte, kam dadurch
irgendwann in Teufels Küche. Ja, und jetzt hat der Schweinblues den Finn erwischt!
Schweineblues, eine, in der Tiermedizin noch wenig erforschte, saumäßig komplizierte Gemütsstörung,
kann über kurz oder lang, eine Sau umhauen.
Als erstes, und das mutet recht menschlich an, hängt dadurch das Schwänzchen freudlos herunter,
gefolgt von den Ohren, die schlapp herumbaumeln.
Auch schmecken will es dem Patienten nicht mehr. Im Falle von Finn ist letzteres leicht zu
analysieren. Heißt es da doch für ihn nicht: Friss oder stirb!
Sondern einfach: Friss, friss und stirb! Der, der das arme Schwein geschenkt bekam,
legt nun eine unangemessene Sorge an den Tag. Er bemüht um Finns Genesung, als ob er ihm wirklich
nahe stände. Ich nehme ihm das natürlich nicht ab, und was Finn in seiner geistigen Verwirrtheit
zurzeit glaubt, ist nicht auszumachen. Hilflos steht dieser Krise auch der eilends herbeigerufene,
so genannte Patenonkel von Finn gegenüber, obwohl er ausgebildeter Rettungsassistent ist.
Und eine Biosau darf nicht pharmazeutisch verseucht werden, deshalb kann der Tierarzt nicht viel verschreiben. Ach,
die Situation scheint aussichtslos.
Was oder wer kann hier helfen? Haben Sie eine Idee?
4. Geschichte: Sauwohl
Finn ist wieder fit! Hört Ihr?
Finn fühlt sich wieder sauwohl.
Welch ein Glück!
Und das war auch notwendig, denn unter all den gut gemeinten Ratschlägen, wie man ihn kurieren könne, waren einige, an denen er fast krepierte.
Auch hätte er sich beinahe totgelacht - wenn er nicht so fertig gewesen wäre.
Um ihn nämlich aufzuheitern, machte der Boss für das arme Ferkel den Clown.
Er hopste vor ihm im Stall umher und sang dazu: Ich bin der Bi-Ba-Butzemann!
Könnt Ihr Euch das vorstellen? Besser, er hätte: Ich bin der Bi-Ba- Böse-Wutzemann gesungen, wär ehrlicher gewesen.
Finn tat so, als würde er rein gar nichts mitkriegen, aber innerlich hat er gequiekt.
Für einen kurzen Moment. Dann war sie gleich zurück, die abgrundtiefe Traurigkeit.
Bis endlich, grade noch zeitig genug, zwei Tage darauf, die rundliche Schweinedame nebenan, nicht ein, nein, gleich zwei Augen auf ihn warf.
Da hat Finn seiner Rasse doch alle Ehre gemacht und wie ein Schwein reagiert.
Eben geil! Soll`s uns recht sein, Hauptsache er ist jetzt gesund.
„Huhu!“ hat sie gegrunzt, die Schweinelady: „ Huhu! Mmh!, wie müffelig du heute riechst, mmh, ich möchte fast sagen, Finn, du stinkst, mmhmmh, wunderbar! So ging`s her.
Und der Finn hat seitdem keinen Gedanken mehr ans Saubersein verschwendet.
Denn, das darf man hier ja behaupten, ist die Liebe eine Ferkelei!
Finngeschichten von
Bernadette Maria Daniels
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